INTEGRALER YOGA

Yoga als gesundheitsfördernde Disziplin

In dieser Yoga-Übungsweise wird der Körper abwechselnd in sehr spannkräftige Stellungen geführt und dann wieder in mehr kontemplativen Positionen ruhig gehalten. Die vielseitigen und sehr ästhetischen Bewegungen, die immer mit einer freien Atmung ausgeführt werden, wirken sehr gesundheitsfördernd auf Körper und Bewusstsein. Es werden der Stoffwechsel und das Immunsystem stimuliert, die Verdauung, die Ausscheidung und die ganze Blut- und Sauerstoffversorgung verbessert. Die Nerven werden ebenfalls gestärkt und beruhigt, was die Entspannung und Konzentration fördert. Durch diese positiven Wirkungen einer einfachen Körperarbeit ist allgemein der Yoga im Westen sehr populär geworden.

Der Integrale Yoga

Der Begriff Integraler Yoga wurde vom Indischen Lehrer Sri Aurobindo (1872-1950) eingeführt. Seine Vision war revolutionär. Während der traditionelle Yoga die Befreiung von der irdischen Dimension sucht, sah Sri Aurobindo es als Aufgabe des Menschen, die Spiritualität auf der Erde zu integrieren. Auch andere Lehrer unserer Zeit sehen, dass der Yoga nicht ein isolierter Befreiungsversuch sondern in jeder Hinsicht eine Gabe für das Leben und für unsere Mitmenschen darstellen sollte.

Eine physische Yogapraxis wirkt durchaus positiv auf unseren Körper und auf unser seelisches Wohlbefinden aber diese Wirkung bleibt begrenzt. Wenn aber unsere Seele sich inspirieren lässt von spirituellen Inhalten und diese schöpferisch umsetzt, dann kann der Mensch zu einer Sonne werden und erbauend auf sich selbst und auf sein Umfeld ausstrahlen. Diese neuartige Yogapraxis sucht nicht primär die vitale Energetisierung des Körpers um zu einer mystischen Erfahrung zu gelangen, sondern möchte der Übung über neue Gedanken und Empfindungen einen künstlerisch-spirituellen Ausdruck verleihen.

Praktiziert der Übende z.B. eine Yogastellung mit Bewusstheit für ein bestimmtes Energiezentrum oder für die spirituelle Bedeutung einer Übung und beobachtet dabei das sich entfaltende Gefühl, dann können sich für das Empfindungsleben ganz neue Tiefen eröffnen. Diese neuen verbindenden Empfindungen bereichern die Seele nicht nur in der Yogapraxis, sondern fördern unsere Beziehungsfähigkeit sowohl zu einem Ideal hin, wie auch zum alltäglichen Leben.

Sozial-kultureller Wert des Yogaübens

Durch diese aktive Vorgehensweise, in der wir ganz bewusst die Übungen gestalten, verringern wir die Gefahr des unkonkreten “Versinkens“ in die Körperenergien, was zu illusionären Erfahrungen führen kann und unsere bewussten Schöpferkräfte eher schwächen würde. Yoga bedeutet wortwörtlich “verbinden.” Eine gedankliche und empfindsame Auseinandersetzung mit den spirituellen Inhalten und Übungen fördert ein freiheitliches, beziehungsfreudiges Erleben. Somit hat dieser künstlerisch-spirituelle Ansatz des Yoga ebenfalls einen hohen Wert für das soziale und kulturelle Leben.